Tierkrankenversicherung


Noch vor ein paar Jahren galten Angebote für Tierkrankenversicherungen am deutschen Markt als absolute Exoten und fanden bei der breiten Masse der Tierhalter wenig Aufmerksamkeit. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielschichtig. Im Beitrag gehe ich darauf näher ein. Außerdem stelle ich das Angebot der Agila Tierkrankenversicherung für Hunde näher vor teile gerne meinen ersten Erfahrungsbericht aus der Praxis.

Die TKV – ein Exot am deutschen Versicherungsmarkt?

Aus einem Bericht der Tierärztezeitung von 2020 geht hervor, dass in Deutschland bisher nur etwa 2% der Hunde und Katzen krankenversichert sind, in den meisten Fällen jedoch nur mit einer OP-Kostenschutz-Absicherung. Die Anzahl der mit einer Vollversicherung abgesicherten Vierbeiner fällt bisher wesentlich geringer aus. Im europäischen Vergleich ist dies extrem wenig. Beispielsweise sind in Großbritannien oder Schweden im Verhältnis deutlich mehr Haustiere gegen anfallende Tierarztkosten abgesichert. Gründe für die Zurückhaltung bei den Deutschen Tierhaltern sind zum einen sicherlich die bisher teilweise eher intransparenten Angebote, eine grundsätzlich eher geringe Angebotsbreite an TKV sowie im europäischen Vergleich bisher verhältnismäßig preisgünstige Behandlungskosten beim Tierarztbesuch.

Doch langsam kommt Bewegung ins Spiel. Denn mit den jüngsten Anpassungen der Gebührenordnung für Tierärzte (kurz GOT) und den daraus resultierenden höheren Behandlungskosten beim Tierarztbesuch werden auch Versicherer auf den wachsenden Markt der Tierkrankenversicherung aufmerksam. Zuletzt wird auch der Tierhalter vor die Frage gestellt, ob er künftig weiterhin die Tierarztrechnung aus der eigenen Tasche bezahlen möchte, eine Teil- oder Vollversicherung für sein Tier abschließt, oder im Zweifelsfall medizinisch notwendige Behandlungen beim Tier scheut, da der Kostenfaktor für den Halter nicht zu stemmen ist. Letzteres ist gerade im Sinne des Tierschutzes und aus ethischer Sicht hoch bedenklich, wird jedoch in Zeiten zunehmender Kostenexplosionen auf allen Ebenen des täglichen Lebens (Energiepreise, Lebensmittel, Güter des täglichen Gebrauchs etc.) leider eine immer größere Rolle spielen.

Es gilt daher – wie auch schon in der Vergangenheit – sich darüber bewusst zu werden, dass bei einer Anschaffung eines Hundes nicht nur die laufenden Kosten für Futter, Zubehör und die Hundeschule berücksichtigt werden müssen, sondern auch die Kosten für den Tierarztbesuch zum Leben mit Vierbeiner dazugehören. Mit steigendem Alter des Tieres steigen diese in der Regel außerdem überproportional an. Mit einer Tierkrankenversicherung kann dieser Kostenfaktor abgemildert werden. Grundsätzlich lassen sich die Tarifangebote in zwei verschiedene Cluster einordnen:

Der OP-Kostenschutz und die Tierkranken-Vollversicherung

Grundsätzlich gilt: Die Angebote der Versicherer unterscheiden sich generell in den Details, sodass beim Abschluß einer Tierkrankenversicherung nur ein genauer Vergleich zwischen den Angeboten zum für Halter und Tier optimalen Schutz führen kann. In der Regel sind die Kosten, die von der Versicherung übernommen werden, gedeckelt. Eigenanteile für den Versicherten sind – zumindest bei älteren Tieren – üblich. Es lohnt daher, die Angebote der Versicherungen vor einem Abschluß genau zu studieren und nicht nur nach der Höhe des Tarifbeitrages zu schauen.

Was ist der OP-Kostenschutz?: Die unumstritten höchsten Tierarztrechnungen haben Halter zu erwarten, wenn das Tier einer Operation unterzogen werden muss. Wer sich den Routinebesuch beim Tierarzt für Vorsorgeuntersuchungen, Prophylaxe und kleine Wehwehchen locker aus dem eigenen Geldbeutel leisten kann, fängt vielleicht spätestens bei der Präsentation einer Rechnung für eine Operation an zu schlucken. Der medizinische Aufwand für eine OP ist ungleich höher, alleine durch die notwendige Anästhesie sowie erforderliche Vor- und Nachbehandlungen. Ein OP-Kostenschutz deckt in der Regel die Kosten ab, die in unmittelbarem Zusammenhang mit einer notwendigen Operation des Tieres stehen. Als Definition einer OP wird meistens die Notwendigkeit eines „offenen Eingriffs“ am Körper herangezogen. So ist beispielsweise das Entfernen einer Granne im Nasenkanal keine Operation – auch wenn das Tier hierfür in Narkose versetzt werden muss. Bei den meisten Angeboten der Versicherer zahlt der OP-Kostenschutz nur, wenn der Tierarzt das Skalpell ansetzen muss. Rektale, Orale oder Nasale Eingriffe zählen in der Regel nicht dazu.

Was ist eine Tierkrankenvollversicherung?: Wie der Name schon sagt, werden bei der Vollversicherung (nahezu) alle anfallenden Tierarztkosten übernommen. Diese springt also auch bei Medikamenten, Untersuchungen und bei Prophylaxe sowie Behandlungen ohne OP-Charakter ein. Doch auch hier gilt: Vor dem Abschluss genau die Versicherungsbedingungen studieren. Denn häufig klammern Anbieter einzelne Angebote aus oder bieten bestimmte Leistungen nur in höheren Tarifen an. In Abstufungen gibt es alternativ weniger Leistung für weniger Beitrag. Grundsätzlich sollte der OP-Kostenschutz in einer Vollversicherung implementiert sein. Auch hier gibt es manchmal Abstufungen gegenüber der reinen OP-Kostenschutz-Versicherung.

Welche Tipps gibt es beim Vergleich der Anbieter?

Wer für sein Tier eine Tierkrankenversicherung abschließen möchte, sollte sich ein paar Punkte in den Angeboten der Versicherer genauer anschauen. In dieser Liste habe ich ein paar wichtige Punkte aufgeführt, die man genauer Vergleichen sollte. Da sich der Anbietermarkt ständig wandelt und immer wieder neue „Angebotspakete“ dazukommen, sollen dies nur Anhaltspunkte sein.

Bezüglich des OP-Kostenschutzes:

  • Welche Leistungen sind beim OP-Kostenschutz inbegriffen? (Häufig Kastration, Hüftdysplasie etc. ausgeschlossen)
  • Ist die Kostenübernahme gedeckelt? (Höchstbeträge beachten, die maximal pro Leistungsfall oder pro Versicherungsjahr von der Versicherung übernommen werden)
  • Besteht ein zu leistender Eigenanteil (pro Operation)? (In vielen Fällen zahlt der Versicherte einen prozentualen Eigenanteil je Eingriff. Manchmal werden diese erst ab einem bestimmten Alter des Tieres fällig)

Bezüglich der Tierkranken-Vollversicherung:

  • Genau prüfen, welche Leistungen übernommen werden. Die Angebote sind sehr vielschichtig. Welche Leistungen werden ausgeschlossen?
  • Eine gute Vollversicherung sollte Kosten für Prophylaxe, Vorsorgeuntersuchungen und Schädlingspräparate erstatten, und nicht nur beim medizinisch notwendigen Eingriff zahlen. Gute Vorsorge zahlt sich in der Regel aus.
  • Auf Erstattungshöchstgrenze (pro Beitragsjahr) achten. Manche Versicherer gewähren einen Bonus oder erhöhen die Leistungsgrenze für Folgejahre, wenn einmal die Versicherung nicht in Anspruch genommen werden musste.

Und worauf allgemein achten?:

  • Fast jeder Versicherer hat Altersgrenzen für Neuaufnahmen. Ältere Tiere lassen sich in der Regel nicht mehr versichern. Schließen Sie Ihre TKV früh genug ab!
  • Steigende Beiträge? Einige Versicherer bieten kostante Beitragsprämien, auch im höheren Tieralter an. Andere Anbieter verlangen steigende Beiträge mit zunehmendem Alter des versicherten Tieres.
  • Wird direkt mit dem Tierarzt verrechnet? Nicht alle Versicherer bieten die direkte Abrechnung mit der Tierarztpraxis an. Unter Umständen muss man dann als Versicherter in Vorleistung gehen und die gezahlten Kosten von der Versicherung zurückverlangen. Dies bedeutet ein vorübergehendes „Loch im Geldbeutel“ sowie mitunter zusätzlichen Papierkram.

In meinem Beitrag „Agila Krankenversicherung – ein Praxistest“ habe ich meine Erfahrungen in Zusammenhang mit einer seit mehrerem Jahren bestehenden Tierkrankenverischerung zusammengefasst.

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